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Rede vom 04.06.2019

Rede Betriebsversammlung 04.06.2019

Ulf Wittkowski für die alternative

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

seit der letzten Betriebsversammlung hat sich in der Welt viel getan. Nicht unbedingt zu unseren Gunsten. Nun werdet ihr mit Recht fragen, was hat das denn mit uns im Betrieb zu tun. Dem kann ich nur sagen, ihr empfindet doch alle das mit dem Projekt Zukunft etwas auf uns zukommt, dass in den meisten von Euch ein Unbehagen auslöst.

Das tut es auch zurecht. Da hilft es auch nicht das wir wählen können ob wir in der Daimler AG bleiben in dem wir dem Betriebsübergang widersprechen, oder wir es hinnehmen und in die Mercedes Benz AG wechseln. Ihr habt es richtig erkannt, wir haben keine Wahl, da es fraglich ist ob es unsere Arbeit morgen noch in der Daimler AG gibt. Positiv könnte man ja noch sagen, es ändert sich nichts an unseren Betriebsvereinbarungen und unseren Arbeitsvertrag. Jeder begreift aber instinktiv, dass nur das Unternehmen mehr Freiheiten im Handeln gewinnt und keineswegs die Sicherheit unserer Arbeitsplätze gestärkt wird.

Der Zauber eMobilität

Es ist schon genial wie die Autoindustrie aus den Abgasbetrug begünstigt durch die Regierung den „Ausweg“ eMobilität verkauft. Falls es Euch noch nicht aufgefallen ist jedes Mal schafft es die Autoindustrie und somit auch Daimler in einer Krise eine Reform zu präsentieren. Nach Kat und Biosprit jetzt eben die eMobilität. Das kommt natürlich ganz gut, gerade da es die Jugend deutlich macht, dass wenn wir so weiter machen keine Zukunft haben. Die „No-Future-Bewegung“ zeigt auf, dass wir in Sachen Umwelt drastisch umsteuern müssen. Gut wenn man hier eine Lösung anbieten kann. Doch ist die eMobilität, Autos mit einem Elektroantrieb auszurüsten, wirklich eine Lösung. Dazu haben wir schon viele Informationen gegeben. Fazit, nur der Schornstein steht woanders. Um das unsinnige Unterfangen noch einmal mit Zahlen zu belegen. Heute gibt es ca. 1,2 Mrd. Fahrzeuge, bis 2025 will die Autoindustrie 150 Mill. eAutos auf die Straße bringen. Bis 2015 sind aber schon 1,5 Mrd. Autos unterwegs. D.h. gerade mal die Hälfte des Zuwachses an Autos, oder gerade mal 10%, wären Elektro betrieben. Das ist viel Zuwenig um die CO2 Werte auf einen maximalen Zuwachs von 1,5% zu begrenzen.

Eine andere eMobilität könnte da positivere Auswirkungen haben. Nämliche die eMobilität in der Personenbeförderung und damit einen Schritt in die Autofreie Stadt.

Die Europa Wahl hat gezeigt, dass es im Moment 2 Große Tendenzen gibt. einmal die Umweltfrage, und ob man da wirklich richtig gewählt hat ist fraglich. Denn die Grünen verfolgen eine konservative Wirtschaftspolitik und es wird wahrscheinlich darauf hinauslaufen, das nur noch wer Geld hat am Autoverkehr teilnehmen kann. Dies zeigt schon der hilflose Aktivismus mit den Fahrverboten. Die 2.Tendenz, der Rechtsruck. Die neuen Nationalen Bewegungen, wie in den USA, der Türkei, Ungarn, aber auch bei uns mit der AFD. Wie kann nach den geschichtlichen Erfahrungen so etwas passieren?

Ich bin der Meinung das unter vielen von uns eine Resignation zu den Regierenden entstanden ist und das zu Recht. Es fehlt der Glaube an der Demokratie. Zum anderen beschränken sich viele von uns auf ihr unmittelbares Leben und passen sich damit dem System an und versuchen ihre Nische zu finden. Darum schwinden die Mitgliedzahlen in den Gewerkschaften, die auch keine deutliche Haltung gegen die Unternehmen und der Politik mehr haben. Solidarität war gestern! Dadurch entsteht eine Verachtung derer denen es im System schlechter geht, wie Einsatzeingeschränkte, aber auch Fremde. Oder wie es der legendäre US-Finanzinvestor, Warren E. Buffett, 2011 ausdrückte:

„Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“

Ich möchte dem nur hinzufügen, das ich glaube, dass wir noch nicht einmal merken, das gegen uns Krieg geführt wird!

Da sind die Gelbwesten in Frankreich doch wirklich ein Hoffnungsträger, die unseren Lebensinteressen Ausdruck verleihen. Doch die Presse sorgt schon dafür, dass die geistige Beteiligung sich in Grenzen hält. Mit der dauernden Gehirnwäsche mit denen die öffentlichen Medien auf uns einwirken sind sie eigentlich mitverantwortlich an dieser der Demokratie entgegenwirkenden Tendenz. Hier sei ohne weiter darauf einzugehen noch das Grundgesetz erwähnt, das derzeit sein 70ig Jähriges Bestehen feiert.

Ich wage sogar zu behaupten, dass viele Menschen das Ergebnis dieser Gehirnwäsche als ihre Intelligenz und Wissen wahrnehmen. Das kann neben der ökologischen Entwicklung auch zu Kriegen führen.

Jetzt könnt ihr vielleicht auch verstehen, warum sich viele Vorgesetzte, aber auch Mitarbeiter aus der Personalabteilung so Menschen­verachten handeln.

Ich hatte euch gerade in der letzten Betriebsversammlung berichtet, das einem Einsatz Eingeschränkten Kollegen nach einem Jahr nicht einmal ein geeigneter Arbeitsplatz angeboten werden konnte. Nach der Betriebsversammlung bot man den Kollegen nun doch einen, wie man meinte neuen Arbeitsplatz an. Als der Kollege nun wieder seine Eingliederung begann stellte sich heraus, dass es derselbe Arbeitsplatz ist. Jetzt verlangt man sogar, dass er an den anderen Arbeitsplätzen arbeiten soll, an denen selbst die Werksärztin bislang sagte, dass das nicht geht. Nimmt sie vielleicht nicht so ernst, was sie einmal gesagt hat? Ich finde das eine ausgesprochene Frechheit was hier geschieht. Warum das möglich ist habe ich versucht durch meinen Bericht über die Haltung zu Menschen in Arbeit durch die Entsolidarisierung und den Rechtsruck darzustellen. Ich kann nur warnen, ohne eigene Initiative und ohne Organisation in der Gewerkschaft machen sie uns in den nächsten Jahren ein. Die Leiharbeit und prekäre Beschäftigung droht zu Hauptbeschäftigung zu werden, wenn wir als Stammarbeiter nicht von unserem hohen Ross runterkommen.

Ganz kurz möchte ich noch auf die Fremdenfeindlichkeit eingehen. Die durch ähnliche Ausgrenzungsgedanken entsteht wie bei Schwäch­eren. Unser Recht und die Würde sind nicht abhängig vom Glauben, der Herkunft und dem sozialen Status, siehe Grundgesetz. Wir sollten diese Rechte und Würde verteidigen. Auch „Flüchtlinge“ und anderen die wir als Fremd empfinden, steht dieses Recht und diese Würde zu. Dies ist unteilbar!!!

Ich hoffe mir ist es gelungen Euch aufzuzeigen, wie am Ende alles im Zusammenhang steht.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit

Eure alternative