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Rede vom 11.09.2018

Rede Betriebsversammlung 11.09.2018

Ulf Wittkowski für die alternative

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

In einer Zeit wo die meisten Kollegen mit ihrer Situation und der Beschäftigungssicherung noch vollkommen zufrieden und glücklich sind, spitzt sich die Situation um die Arbeitsplätze zu.

Die Kollegen, angetrieben durch Programmerfüllung und Sonderschichten, erkennen für sich, dass Überstunden ihren Lohn am Monatsende steigen lässt, auch wenn sie verhältnismäßig mehr Steuern und Abgaben zahlen müssen. Doch objektiv beschleunigt ihr den Abbau von euren Arbeitsplätzen.

In dem Bereich, den ich mit betreue, haben wir in den Sommermonaten Juli und August Überstunden genehmigen müssen die umgerechnet 12 Arbeitsplätzen entsprechen. Davon entfallen rund acht bis neun allein auf die Instandhaltung!

Nun wird nicht jede Überstunde beschäftigungswirksam, das haben wir auch bei der Durchsetzung der 35 Stundenwoche erfahren. Dennoch ist die Beschäftigungswirksamkeit der Arbeitszeitverkürzung heute noch nachweisbar und stellt sich jetzt als „Demographischer Wandel“ da!

Mit euren Einsatz und Mehrarbeit konnte das Unternehmen eine große Unterdeckung auffangen. Doch auch hier holt uns die Realität ein! Dieser Zustand ist nicht mehr zu verbergen. Jetzt müssten definitiv Einstellungen her. Doch das will die Führung vermeiden. So werden andere Lösungen gesucht. Fremdfirmen übernehmen immer häufiger Reparaturarbeiten. Kein Wunder, denn die fehlenden Nachbesetzungen machen es jetzt unmöglich alle Aufgaben, die sich der Instandhaltung stellen, mit den vorhanden Personal durch Überstunden auszugleichen. Es ist halt ein Irrglaube, dass man mit Überstunden seinen Arbeitsplatz sichern kann. Es ist im Übrigen auch gar nicht erforderlich, denn der Vorstandsvorsitzende Herr Zetsche plant mit uns. Seine Aussage: “Wer heute noch einen Arbeitsplatz in der Daimler AG hat, wird auch  noch im Jahr 2030 in der Daimler AG tätig sein, doch ob er dann noch dieselbe Arbeit ausübt ist eher unwahrscheinlich. So bahnt sich in der Instadhaltung, auch wenn es jetzt noch ein Gerücht ist, eine andere Lösung zum Personalausgleich an. Nämlich dass die Instandhaltung des Presswerkes Bremen die Instandhaltung im Presswerk Hamburg betreiben könnte, so wird es tatsächlich auch schon diskutiert. Die Instandhalter die jetzt dort tätig sind könnten dann auf die anderen Bereiche im Werk verteilt werden.

Wunderbar, eine für den E3 Leiter der Instandhaltung eine hervorragende Lösung. Er braucht nicht nach Stuttgart zu Kreuze kriechen und um Personal betteln. Das war in den letzten Jahren schon für hamburger Führungskräfte ein Unterfangen, das mit wenig Erfolg gekrönt war. Was dabei wirklich herauskommt, bleibt abzuwarten.

Übrigens, das wäre auch für die Messräume ein denkbarer Ansatz. Wie Jörg Klingel es hier schon einmal ausgeführt hat, fehlt es in dem Bereich an ausgebildetem Personal und die jetzt dort Beschäftigten haben den größten Altersdurchschnitt im Werk. So entsteht immer mehr das Bild, dass die E3 Leiter auch das Personal mitbringen. Hier aus dem Werk Berlin, beim Presswerk aus Werk Bremen. Dies kann aber nicht in unserem Interesse sein. Ihr habt einfach zu viel für die Zukunftssicherung und das Zukunftsbild einbringen müssen.

Auch wenn die alternative davor immer wieder warnte, dass diese Vereinbarungen nicht einklagbar sind. Nun ist die Tinte noch nicht trocken und sie wird erst durch Führungskräfte aus anderen Werken und jetzt wahrscheinlich auch durch Personal aus anderen Werken unterlaufen.

Aber auch ohne Vereinbarungen ist zu erkennen, dass durch immer mehr Sonderschichten, Leih- und Fremdarbeit die Stammbelegschaft schrumpft, da den wenigen Neueinstellungen ein immer höherer Abgang in Rente durch die Einstellungsreichen Jahre, die Einführung der 35 Stundenwoche, erfolgt. Doch auch das hat das Unternehmen im Griff. Sie nutzen diese Mechanismen, um sich auf die Zukunft einzustellen. Die Zukunft heiß Industrie 4.0. Die Unternehmen setzen den Schwerpunkt auf Steuerung der Abläufe. Nicht auf die Ausübung der Arbeit. Die Arbeit wird durch Leih- und Fremdarbeit verrichtet werden, oder durch Programme und Roboter. Wir sollten daran denken, dass wir nur gemeinsam unsere Arbeitskraft gut verkaufen können und dass nach wie vor eine Disziplin an den Tag zu legen ist, bei der Einhaltung der Arbeitszeiten und besonders der Mehrarbeit. Das wäre eine gewerkschaftlich gedachte Alternative zur ständigen Abwärtsspirale, die wir mit den Programmerfüllungen und Sonderschichten und Erweiterung der Leiharbeit betreiben.

Dies spiegelt sich auch im Umgang mit den Menschen wieder. Personal muss kontinuierlich abgebaut werden. Besonders bei den Kolleginnen und Kollegen die ein Handikap haben und bei ihrer Arbeit eingeschränkt sind. Es ist, wie ich jetzt gerade wieder erlebe, erste Pflicht im Personalbereich den Kollegen die Schuld an seiner Situation zuzuweisen. Auch wenn das nicht stimmt. Selbst wenn der Werksärztliche Dienst die Einschränkung bestätigt, meint man den Kollegen klarzumachen, dass es angeblich keine Arbeit für seine Einsatzmöglichkeiten mehr gibt. Das dies noch gegen die geltende Rechtsprechung ist (In einem Betrieb unserer größer gehen die Gerichte davon aus, dass solche Arbeitsplätze immer gestellt werden können). Doch man scheut sich nicht den Kollegen Berater vorzuenthalten, bietet aber auch nicht aus eigenen Reihen eine kompetente Beratung an, die für den Kollegen einen entsprechenden Arbeitsplatz findet, bzw. entwickelt. Warum auch, diese Menschen will man eben loswerden – anders kann ich mir das nicht erklären.

Doch anstatt unsere Reihen zu schließen macht die Gewerkschaft Propaganda für individuelle Lösungen, anstatt auf Geschlossenheit hinzuwirken.

Alles was wir an Rechten und tariflichen Erfolgen haben ist geschichtlich gewachsen und beruht auf unsere kollektiven Stärke, die Misserfolge entsprechend auf unserer kollektiven Schwäche!!!

Der Unternehmer kauft unsere Arbeitskraft. Ohne Gewerkschaft würden wir alle Miteinander in Konkurrenz stehen. Mit anderen Worten, die Unternehmen haben die Macht auszuwählen, und den Preis unserer Arbeitskraft zu drücken. Dies gelingt ihnen umso besser, je weniger wir uns organisieren und umso mehr wir einzeln unsere Arbeitskraft anbieten. Da wir uns Anfang des 19.Jahrhunderts immer mehr organisierten, Gewerkschaften bildeten, haben die Unternehmer uns unter diesem Druck  ein Zugeständnis machen müssen. Das Arbeitsrecht, in Form des Betriebsverfassungsgesetzes. Dies war nicht unbedingt das Tollste was man sich vorstellen kann, doch zum ersten Mal wurde anerkannt, dass Arbeiter Rechte haben.

Dies könnte man noch weiter Ausweiten, doch was wir rüberbringen wollen ist damit ausgeführt. Es ist zum Scheitern verurteilt wenn wir uns weiter aufspalten lassen und unsere Interessen vereinzelt, statt sie kollektiv  zu erkämpfen und zu verteidigen!!!

Deshalb:

„Unternehmensinteressen sind unseren Interessen entgegengesetzt.“

Oder

Wie kann unser Vorstand trotz BPO weitermachen

 obwohl sie bei der Dieselaffäre mitgemacht haben?

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit

Eure alternative